Mädchen. Mode. Macht. Heute werden Trends im Netz gesetzt –und zwar durch Modeblogs.

Sie sind relativ jung, tragen meist auffällige Kleidung, haben ihre Spiegelreflex-Kamera stets zur Hand, sitzen bei Modeschauen in der ersten Reihe und sind die Orientierungsgrößen schlechthin: Die Modeblogger, beziehungsweise vorwiegend: Die Modebloggerinnen. Auf ihren Blogs berichten sie über Mode und Lifestyle und haben mittlerweile die Macht, Trends zu setzen. Dieses Potential haben nun auch Designer erkannt und versuchen die einflussreichen Trendsetter aus dem Netz zu ihren Gunsten zu instrumentalisieren.

Es geht um das Gefühl

Modeblogger haben ihre ganz eigene Perspektive und heben sich damit vom üblichen Modejournalismus ab. Sie sind immer auf der Suche nach Neuem, sie beschreiben, kritisieren, testen, bewerben Kleidung, Schmuck, Schuhe, Uhren, Taschen und vieles mehr. Redakteure großer Modezeitschriften sehen die Konkurrenten Modeblogs meist kritisch und beklagen sich über fehlende Professionalität und Tiefe. Der neue Beruf des Fashion-Bloggers ist nicht etabliert, nicht geschützt, nicht anerkannt. Aber es gibt mittlerweile Tausende Fashion-Blogger in aller Welt und mit ihnen verändert sich die Modewelt. Sie sind schneller, was die Publikation angeht, freier in der Bewertung und näher an den Lesern dran. Es geht mehr um das Gefühl und den Moment, als um die Quote und mehr um fragmentale Anregungen und spontane Ideen, als um gut recherchierte Texte.

Modeblogs für jeden Geschmack

Als „Mutter der deutschen Blogs“ gilt Mary Scherpe, die auf Stil in Berlin außergewöhnliche Menschen aus Berlin porträtiert und den Fokus auf die Straßenmode legt, ganz im Stil von dem Fotografen August Sander, der einst eine Reihe von Porträts unter dem Motto „Menschen des 20.Jahrhunderts“ veröffentlichte oder auch Bill Cunningham, der Mann, der seit mehr als dreißig Jahren Bilder vom Straßenstil für die „New York Times“ einfängt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch jene Blogs, die den Blogger oder die Bloggerin selbst und ihren eigenen Stil in den Vordergrund stellen und eigene Erfahrungen und Insidertipps weitergeben, wie beispielsweise der deutsche Blog LesMads . Die Website wurde mit dem Lead Award 2010 (Gold) als „Weblog des Jahres“ ausgezeichnet. Die Gründerinnen Julia Knolle und Jessica Weiß kooperieren mit Verlagen und Versandhäusern. Ihr Blog gilt als „Beiboot“ des Burda-Verlags und LesMads als Deutschlands größter Modeblog. Diese Kopplung an einen Verlag wird verbreiteter, gilt aber nicht für alle Modeblogs.

Eine sehr junge, aber weitbekannte Bloggerinnen ist Tavi Gevinson. Die 13-Jährige präsentiert in ihrem Blog Style Rookie  sich selbst, ihre Kleidung und ihre Gedanken und liefert durchaus Potential, ihren Stil als solchen zu bezweifeln, nichtsdestotrotz feiern ihre vier Millionen Leser sie bereits jetzt als Stil-Ikone.

Einige andere gut besuchte Modeblogs sind Fashiondogy, Fashionista, Café Mode, Modepilot, Facehunter, Models of Duty, Sartorialist, Fashion as a 2nd language und noch zahlreiche andere.

Eine machtvolle Inspiration

Das Phänomen Modeblog ist hat sich etabliert und ein Ende ist nicht in Sicht. Es ist eine Kette der Inspiration, die durch Modeblogs ausgelöst und aufrecht erhalten wird. Die Modeblogger lassen sich von den Menschen auf der Straße inspirieren und berichten darüber in ihren Blogs und die Menschen auf der Straße lassen von den Bloginhalten inspirieren und kleiden sich danach.

Designer wie Dolce & Gabbana haben längst bemerkt, wie einflussreich Modeblogger mittlerweile tatsächlich sind. Statt Journalisten und Einkäufern, die einst die wichtigsten Besucher von Modeschauen waren, sind es heute die Mode-Blogger, die in den ersten Reihen sitzen dürfen. Von dort aus können sie die besten Fotos schießen und diese anschließend auf ihre Blogs stellen und damit der breiten Masse vorzuführen. Und von der breiten Masse zu sprechen, ist tatsächlich nicht übertrieben, beispielsweise LesMads, bringt es im Monat immerhin auf ca. 900.000 Seitenaufrufe. Auch mit Geschenken sind die Designer meist recht spendierfreudig und statten Bloggern vielbesuchter Blogs gerne mit ihren neusten Schöpfungen aus. Dass die Blogger sich darüber freuen und diese Gesten entsprechend auf ihren Blogs würdigen, erscheint nachvollziehbar. Das Zusammenspiel von Marken und Bloggern funktioniert. Billiger ist Marketing jedenfalls nicht zu haben.

Warum funktionieren Modeblogs?

Aber warum funktionieren Modeblogs überhaupt so gut? Mode ist ähnlich wie das Wetter. Sie ist einfach da und betrifft nahezu alle Menschen. Sie variiert ständig, bewegt sich aber immer in einem bestimmten Rahmen und greift dabei immer wieder auf Bekanntes zurück. Alles was im Trend liegt, ist schon einmal im Trend gewesen. Und kaum einer kann sich der Mode völlig entziehen. Sie ist unvermeidbar und hat immer mit Menschen zu tun und bekanntlich ist für Menschen nichts interessanter als Menschen.

Außerdem sind Modeblogger keine Profis. Und das ist ihre Stärke, zumindest wenn es darum geht, Sympathien und damit Anhänger zu gewinnen. Und diese sind es, die die Existenz von Blogs erst möglich machen und durch ihre Lesen und Reagieren auf die Blogs die dahinterstehenden Autoren zu Vorbildern, oder sogar zu Stil-Ikonen machen.

Die Begegnung findet auf Augenhöhe statt. Sie schreiben umgangssprachlich, persönlich, ja sogar vertraut zu dem nach Mode- und Lifestyle-Tipps hechelnden Volk da draußen, zu dir und mir, und fungieren dabei als große Schwester oder beste Freundin, mit Orientierungshilfen, Ratschlägen und Tipps um sich durch den Alltag zu hangeln.

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