Archive for Mai 2011

„21th Century Minimalism“: Zwischen materiellem Verzicht und digitalem Reichtum

Mai 23, 2011

Dass man im Internet einkaufen gehen kann, wie in einem globalen Einkaufszentrum, ist bekannt. Ob Neues von Online-Shops sämtlicher Marken, oder Gebrauchtes von Privatleuten über virtuelle Flohmärkte und Auktionen wie ebay. Alles relativ unkompliziert und schnell. Eine Bereicherung für den Besitztümer anhäufenden Konsumenten, nicht aber für die sogenannten Tech-Nomaden. Diese sehen Habseligkeiten als Einschränkung ihrer Freiheit und bilden damit quasi die Gegenbewegung zum aktuellen Konsumrausch. „Cult of less“ nennt sich der Trend zum Verzicht und folgt dem Motto: „Verzichte und blogge darüber“.

Einer der Vorreiter des Verzicht-Kults ist der 23-jährige amerikanische Programmierer Kelly Sutton, der sich 2010 von so gut wie all seinen Habseligkeiten getrennt hat. Er verkaufte sie über seinen Blog „Cult of less“ und entschied sich damit ganz bewusst für diesen nahezu eigentumsfreien Lebensstil. Heute besitzt er nur noch das für ihn Nötigste: ein paar Klamotten, einen Laptop, einen Kindle und ein Ipad inklusive Zubehör.  Er gehört zu den „21th Century minimalists“.

Eine digitale Form des Minimalismus

Diese aktuelle Form des Minimalismus unterscheidet sich von herkömmlichem Minimalismus durch den digitalen Aspekt. Neuste Technologien haben so manches geändert. So braucht man dank MP3s theoretisch weder Platten oder Kassetten, noch CDs, geschweige denn entsprechende Abspielgeräte. Dank E-Books sind auch Bücher beziehungsweise Bücherregale nicht mehr von absoluter Notwendigkeit, wenn man Lust auf Lektüre hat. Auch Fotoalben stauben in digitaler Form viel weniger ein und wer braucht schon noch Notizenbücher oder Kalender, wenn es jeweils platz-sparende digitale Varianten gibt? Die sogenannten Tech-Nomaden jedenfalls nicht. Sie verzichten sogar auf einen festen Wohnsitz, reisen bevorzugt umher und arbeiten von unterwegs. Der Minimalismus trifft also nur auf der materiellen Ebene zu. Was die „21th Century minimalists“ da einsparen, verlagert sich in die digitale Welt.

Tipps zum Leben mit 100 oder weniger Dingen

Aber Kelly Sutton ist lange nicht der Einzige. Es finden sich nach und nach weltweit immer mehr Leute mit derselben Gesinnung und entsprechenden Blogs. Zum Beispiel der Blogger Tucker Cummings, der Interessierten auf seinem Blog Tipps gibt, um ein Leben mit 100 oder weniger Dingen zu realisieren:

1. Mach eine Bestandsaufnahme aller Dinge, die du besitzt.

2. Behalte nur multifunktionale Geräte.

3. Lebe nicht zu spartanisch.

4. Dinge, die man die letzten 12 Monate nicht gebraucht hat, können weg.

5. Miste nach drei Monaten erneut aus.

6. Überprüfe, was du für deine Arbeit tatsächlich brauchst, und was nicht.

Aber wozu das Ganze? Ziel des „Cult of less“ist es, Stress zu reduzieren, den Fokus auf Entscheidendes zu legen und möglichst mobil zu sein. Auch Konsumkritik spielt gelegentlich eine Rolle. Anhänger des Verzichtkultes empfinden es als Stress, Dinge zu besitzen und dadurch gebunden zu sein und versprechen sich von ihrer Art zu leben Freiheit und glücklich zu sein. Die Bloggerin des Blogs “Minimal Student” beschreibt das so: “what really makes me happy is freedom. And the key to freedom is minimalism because minimalism reduces our attachment to things.”

Mut, sich von Materiellem zu verabschieden

Dass dieser Lebensstil nichts für Jedermann ist, liegt auf der Hand. Nicht jeder kann auf Dauer ohne persönliche Dinge und Andenken leben, nicht jeder fühlt sich in sterilen Räumen ohne individuelle Einrichtung zu Hause und nicht jeder hat eine Arbeit, die ihm das nötige Maß an Flexibilität ermöglicht. Auch für Familien mit Kindern dürfte jener Trend weniger infrage kommen. Geeigneter scheint ein solches Leben schon eher für unabhängige Einzelpersonen.

In jedem Fall gehört eine Portion Mut dazu, sich von Dingen zu trennen, die sich nicht selten über das ganze Leben hinweg angesammelt haben. Oftmals verbinden einen ja auch Erinnerungen und Gefühle mit gewissen Gegenständen. Und auch die Unsicherheit, ob man es einmal bereuen wird, dass man diesen oder jenen Gegenstand nicht aufbewahrt hat, oder ihn vielleicht sogar einmal wieder gebrauchen kann, muss man überwinden, um zum digitalen Vagabunden werden zu können. In gewisser Weise nachvollziehbar scheint es aber doch, dass es gut tun kann, so manchen alten materiellen Ballast loszuwerden und danach einen weniger vollen Speicher zu haben.

Einen nicht ganz so radikalen und damit leichter umsetzbareren Weg, sich von unnützem Krempel zu trennen, verfolgt die Berner Bloggerin Karin Friedli. Ihr Plan lautet, sich ein Jahr lang von einem Gegenstand ihres Hab und Guts zu verabschieden und das Ganze auf ihrem Blog zu dokumentieren. Das kann auch dabei helfen, ein Bewusstsein für den eigenen Konsum zu entwickeln und erst gar nicht in Versuchung zu kommen, unnützes Zeug anzuschaffen, das ohnehin nie einem anderen Zweck, als dem Einstauben dienen wird. Eine Überlegung dürfte es jedenfalls wert sein, seinen ebay-Account nicht immer nur zum erwerben, sondern auch mal zum loswerden des angehäuften Krempels zu nutzen.

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Freundschaft in Zeiten von Facebook

Mai 16, 2011

Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist. Das Konzept an sich ist alt. Facebook setzt nur noch eins drauf und verleiht dem Ganzen eine neue Dimension.

In der Grundschule fing es mit den Freunde-Büchern an. Alle Freunde konnten sich darin steckbriefartig verewigen. Je mehr Freunde man in sein Buch stehen hatte, desto beliebter, begehrter und selbstbewusster war man. Freunde wie Trophäen zu sammeln ist also nichts Neues, aber nach wie vor voll in Mode. Facebook ist das Freunde-Buch von heute. Vom Prinzip genau das Gleiche, aber digitalisiert und die Dimensionen von damals sprengend.

Alle sind „Freunde“

Eine typische Facebook-Freunde-Liste umfasst in der Regel Freunde im dreistelligen Bereich und ist ein heterogener Mix aus allen möglichen verschiedenen Menschen, die einem irgendwie und irgendwo im Laufe des Lebens einmal begegnet sind. In Zeiten von Facebook, studiVZ & Co. sind alle Menschen „Freunde“. Die Arbeitskollegen, die Nachbarn, der Mitschüler aus der Theater-AG aus der dritten Klasse und die Facebook-Freunde von Facebook-Freunden. Sie alle hätte man ohne Soziale Netzwerke im Internet vielleicht allenfalls als flüchtige oder alte Bekannte bezeichnet. Heute ist da mehr. Bleibt die Frage, ob die Beziehungen durch soziale Netzwerke tatsächlich enger und besser geworden sind, sodass sie als Freundschaften bezeichnet werden können, oder ob der Freundschaftsbegriff schlichtweg an Qualität verloren hat?!

Sicher ist: Facebook bietet die Möglichkeit, pausenlos Informationen von sich preiszugeben, ob es die anderen nun wissen wollen, oder nicht, was unter anderem Debatten über den Aspekt der Privatsphäre ausgelöst hat. Damit sind die Facebook-Freunde für jeden Einzelnen immer auch eine Art Publikum und damit ideal für Zwecke der Selbstdarstellung geeignet. Sie führen sich gegenseitig Statusmeldungen, Fotos oder Videos vor und warten auf ein Echo. „Urlaub!“ Allein das als Statusmeldung reicht meist schon für eine Reihe von Kommentaren aus, wie: „Ohh, du Glückliche!“, „Hab viel Spaß!“, und „Wohin geht’s denn?“ Genauso bei Problemen. Sollte man solche posten, kann man sicher sein, von guten Ratschlägen überhäuft zu werden. Wirkliche Gespräche werden überflüssig, wenn man alle Neuigkeiten immer gleich auf seiner Pinnwand postet und damit jeglichen Gesprächsstoff verpulvert.

Facebook definiert „Freundschaft“ neu

Aber wie viele Facebook-Freundschaften kann ein Mensch überhaupt pflegen? Kann ein Einzelner wirklich mit 200 Leuten befreundet sein? Auf Facebook geht das jedenfalls. Offensichtlich definiert Facebook den Begriff „Freundschaft“ neu. Um auf Facebook als Freund bezeichnet zu werden, wird nicht vorausgesetzt, dass man sich wirklich gut kennt oder sich gar schon einmal im wahren Leben begegnet ist. Das Geflecht aus Freunden scheint eher oberflächlicher Natur zu sein. Das Prinzip lautet also eher viele verschiedene lockere Beziehungen, als ein paar wenige feste. Unverbindlichkeit ist die Eigenschaft von Social Networks. Es ist deutlich leichter, Kontakte einzugehen, aber auch abzulehnen oder Verantwortung zu übernehmen. Und ob man auf Nachrichten und ähnliches reagiert oder nicht, bleibt einem selbst überlassen. Das hat sicher auch seine Vorteile. Trotzdem geht der einst wertvollen Beziehung namens Freundschaft damit etwas verloren. Im Gefüge der Beziehungen hat sich scheinbar etwas verschoben. Vielleicht ist es Facebook selbst, das uns unter so vielen oberflächlichen Freundschaften den besten Freund ersetzt. Immerhin kann man dort Spiele spielen, Fragen zum eigenen Charakter beantwortet kriegen und Ratschläge bekommen, wie man sich am besten verhalten soll, oder was man jetzt am besten gebrauchen könnte. Fast wie bei einem realen besten Freund könnte man meinen.

Facebook als Ergänzung

Aber Facebook kann auch anders. Es soll ja auch noch Freundschaften geben, die das Internet nicht zwingend brauchen, sondern auch oder hauptsächlich draußen, in der Facebook-freien Zone stattfinden. In solchen Fällen ist Facebook eine Ergänzung, eine praktische Gelegenheit, um in Kontakt zu bleiben, auch wenn man sich einmal nicht persönlich treffen kann. Oder die Netzwerkkommunikation wird genutzt, um sich auch mit mehreren Leuten für ein reales Treffen zu verabreden. Hier gilt der althergebrachte Freundschaftsbegriff weiterhin, nur angepasst an ein neues Zeitalter. Wer wissen möchte zu welchem Typ Facebook-Nutzer er gehört, kann dies in der Galerie der Facebook-Typen
herausfinden.

In einer Zeit, in der es noch kein Internet gab sagte der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky: „Freundschaft, das ist wie Heimat.“ Trotzdem scheint der Spruch noch heute Gültigkeit zu haben. Denn wenn die Heimat der Generation der „Digital Natives“ das Internet ist, dann scheint es gar nicht mehr so abwegig, dass auch ihre Freundschaften im Internet stattfinden.

„Digital Natives“ vs. „Digitale Immigranten“

Mai 11, 2011

Sie sind jung, mitteilungsbedürftig, zuhause in der Welt des Internet und die Zukunft der Menschheit. Die „Digital Natives“.

Ihnen gegenüber: die „Digitalen Immigranten“. Diese sind alt, oder zumindest älter, aufgewachsen in der „Papierwelt“ und voller Kritik und Furcht gegenüber dem allumspannenden Netz.

Als würden manche mit altersübergreifender Kommunikation nicht schon genug Probleme haben, haut nun auch das Internet noch einen drauf. Das Internet spaltet die Gesellschaft, genauer: die Generationen.

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!“ Neuem steht das Gewohnheitstier Mensch generell kritisch gegenüber. Für die heutigen Jugendlichen sind Internet & Co. aber nicht neu. Sie sind, ganz im Gegensatz zur Generation ihrer Eltern und Großeltern, damit aufgewachsen. Für sie ist das Internet eine Art Parallel-Welt, die Möglichkeiten bietet, die Außenstehenden, nicht ganz zu Unrecht, Respekt einflößen. World Wide Web – ein weltweites Netz also. Texte, Fotos, Videos und vieles mehr können in Sekundenschnelle mehr oder weniger unkontrolliert die ganze Welt erreichen. Und dort bleiben.

Dass das nicht unbedingt immer gut ist, haben die meisten schon einmal durch die Medien mitbekommen. Jugendliche, die mit veröffentlichten Privatvideos im Internet bloßgestellt wurden und sich anschließend das Leben nahmen oder anonym verkehrende Pädophile, die über das Internet Kontakt zu ihren nächsten Opfern aufnehmen.

Solche Fälle gibt es wohl, aber manche aus der älteren Generation scheinen dies zu sehr als Internet-Alltag zu verstehen, als es vielleicht der Fall ist und den Mythen rund ums Internet mehr Glauben zu schenken, als diese verdienen. Es scheint also unter anderem die Unkenntnis zu sein, die zur Spaltung der Generationen beiträgt.

Hier geht’s zur Website „Surfen ohne Risiko“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die auf Risiken im Internet hinweist.

Was wollen Jugendliche denn dauernd im Internet? Ein Schwerpunkt scheint auf der Kommunikation zu liegen, wobei die Absicht nicht unbedingt darauf gerichtet ist, neue Leute kennenzulernen, sondern vorwiegend um Kontakte, die sowieso schon bestehen, online, auf einer zusätzlichen Kommunikationsebene zu pflegen. Dazu ist so gut wie jeder der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Mitglied sozialer Netzwerke und dort täglich aktiv. Ansonsten dient das Internet auch vielen jungen Menschen bei der Informationssuche oder zur Unterhaltung.

Sprachliche Barrieren sind nicht nur für Menschen aus verschiedenen Ländern ein Problem. Trotz identischer Amtssprache, kann es besonders in Zeiten des Internets und der Globalisierung auch innerhalb eines Landes zu Kommunikationsschwierigkeiten kommen. Was mit dem Internet zu tun hat, hat Namen wie „Community“, „Weblog“, „Social Network“ oder eben „Digital Natives“. Nicht jeder verfügt über solche Wörter in seinem „word pool“.

Zweifellos ist mit dem Internet eine zweite Welt, oder zumindest eine zweite Dimension der Welt hinzugekommen, deren Bevölkerung, zumindest bisher, zu einem großen Teil aus den digitalen Ureinwohnern besteht.

Aktuelle Fakten über das Medien- und Freizeitverhalten von Jugendlichen in der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS) 2010.

Ein Test

Mai 8, 2011

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