„Wikileaks und die Unbeherrschbarkeit der Daten“ – Zu einem Vortrag von Michael Seemann

Juli 25, 2011

„Ein Großteil meines Lebens spielt sich im Internet ab. Und ich verliere täglich die Kontrolle darüber.“ Das sagt Michael Seemann. Richtig schlimm scheint er es aber nicht zu finden. Im Rahmen einer vom Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen organisierten Veranstaltung unter dem Titel „Wikileaks und die Unbeherrschbarkeit der Daten“, war der Blogger vor Ort, um über seine Sichtweisen und Theorien zum aktuellen und zukünftigen Kontrollverlust über die Daten im Internet zu sprechen.

Zur Person: Michael Seemann hat in Lüneburg Angewandte Kulturwissenschaft studiert und arbeitet derzeit an seiner Doktorarbeit. Außerdem ist er beteiligt an Internetprojekten, wie twitkrit.de, Twitterlasung, wir.muessenreden.de. Auf seinem Blog CTRL-Verlust berichtet er über die Kontrolle beziehungsweise die Unmöglichkeit der Kontrolle der Daten, die wir alle im Internet hinterlassen.

Was ist Kontrollverlust?

Seemann spricht von Kontrollverlust im Internet. Was aber meint er damit? Seiner Theorie nach entsteht Kontrollverlust, wenn die Komplexität der Interkationen von Informationen die Vorstellungskraft der Individuen überschreitet. Und genau dies sei derzeit und zunehmend der Fall. Die Menschen beschäftigen sich immer mehr mit dem Internet und verbringen immer mehr Zeit online. Alles was sie dort tun oder nicht tun wird gespeichert. Kaum einer weiß so genau wo und wie, größtenteils wissen die Menschen nicht einmal, dass dies passiert. Aber es passiert. Und eben diese irgendwie und irgendwo gespeicherten Daten können in ihrer Kombination zu Informationen werden. Für wen diese von Interesse sein können, scheint heute noch nicht ganz eindeutig zu sein, aber genau das ist es, was Seemann unter dem Kontrollverlust versteht. Und dass der gewöhnliche Internetnutzer das heute noch nicht begreift, ist Teil seiner Theorie.

Voraussetzungen für den Kontrollverlust

Drei Voraussetzungen sind laut Seemann maßgeblich beteiligt an diesem Phänomen des Kontrollverlusts. Erste Voraussetzung ist die Allgegenwart von Aufschreibe-Systemen. Nahezu jeder besitzt mittlerweile ein Foto- oder Video-Handy, ein Smartphone mit Internetzugang oder eine GPS-App. Damit werden Ereignisse, Orte und Sonstiges mehr oder weniger dokumentierwürdiges dokumentiert und abgespeichert. Einstige Kontrollinstrumente werden damit zunehmend zu Kontrollverlustinstrumenten.

Zweite Voraussetzung ist, dass das Internet eine riesige Kopiermaschine ist. Alles was wir im Netz tun, ist letztendlich ein Kopiervorgang: Mails versenden, Webseiten aufrufen, Musik im Netz anhören oder Bilder im Netz anschauen. So werden Daten von hier nach da und zurück kopiert, ohne dass es einem so richtig bewusst ist.

Und dritte Voraussetzung ist, dass Daten für Verknüpfungen offen sind. Jede Aktion im Internet wird mit anderen Daten verknüpft und ergibt in der jeweiligen Kombination, und bisher nur für spezielle Techniken lesbar, komplett neue Sinnzusammenhänge und liefert dementsprechend ungeahnte Erkenntnisse über die jeweils agierenden Personen und ihre Handlungen. Die Datenmenge und die Anzahl der Datenverknüpfungen nehmen stetig zu. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass der Preis von Speicherplatz in den letzten Jahren dramatisch gesunken ist. So kostete 1981 ein Gigabyte Speicherplatz noch $ 300 000, im Jahr 2010 bereits nur noch $ 0,10.

Kurz: Niemand weiß heute so genau, was morgen Daten sein werden und in welchem Zusammenhang sie einem irgendwo und irgendwie einmal wieder begegnen werden. Wir Internetnutzer von heute setzen demnach eine Sache in Gang, wissen aber nicht, wie sie wieder zu stoppen ist. Einen Weg, der daran vorbeiführt, sieht Seemann derzeit nicht: „Ist man Teil der Welt, wird man Teil des Internets sein.“

„Query“!?

Seemann beschreibt drei Formen von Öffentlichkeit. Zum einen den alt bekannten öffentlichen Raum, dann die massenmediale Öffentlichkeit und schließlich die sogenannte „Query-Öffentlichkeit“. „Query“ bedeutet übersetzt „Abfrage“ und steht im Zusammenhang mit SQL Structured Query Language, einer Computer-Sprache, die Anfragen benutzt, um sie in Datensätze und Informationssysteme zu übersetzen. Einen Bezug zu Wikileaks schafft er in sofern, als dass er dies als den Kumulationspunkt des Kontrollverlusts betrachtet. Julian Assange feiert er als „Erfinder der relationalen Datenbank“

„Google, twitter, Facebook und all die anderen weisen den Weg in die queryologische Zukunft.“ Seemann benutzt überaus häufig und wie selbstverständlich die Begriffe „query“ und „queryology“. Eine eindeutige Erklärung für Laien, was er damit genau meint, liefert er jedoch nicht.

Die Essenz seiner Botschaft scheint jedenfalls Folgende zu sein: „Information ist nicht zurückholbar.“ Was also einmal im Netz steht, das wird im ewigen, beziehungsweise im unberechen- und uneinschätzbaren Gedächtnis von Google gespeichert.

Seemann findet den derzeitigen Prozess der Medienentwicklung und das, was noch kommen mag spannend und sieht darin Chancen. Er ist sich sicher: „Es wird noch einiges dazu kommen, das noch viel toller ist!“ Er erzählt von einer „Google googles“ als einer Bilderkennungs-Anwendung im Netz, einer Software namens Gaydar, anhand derer man an einem Facebook-Profil mit einer Treffsicherheit von 96% feststellen kann, ob die jeweilige Person homosexuell ist, oder nicht, der Reduktion der eigenen Person auf eine Datenmenge und ähnlichen nahen oder fernen zukünftigen technischen Entwicklungen.

Was aber seiner Meinung nach unter die Räder kommen wird, ist die Privatsphäre, so wie wir sie heute noch kennen. Ihn selbst stört das aber nicht besonders. „Ich führe heute ein reicheres Leben“. Für ihn bedeuten Facebook und Co. keine Entwertung des Freundschaftsbegriffs sondern eine Bereicherung für das „normale“ soziale Leben.

Was Seemann also im Grunde macht, ist sozusagen eine Art von Ankündigung von einem Prozess, der sich für die einen mehr, für die anderen weniger bemerkbar in die Welt schleicht, und im Grunde unabwendbar scheint. „Wir werden uns alle daran gewöhnen!“, meint Seemann optimistisch. Was Seemann offensichtlich tut, ist, uns vom Beginn des gesamtgesellschaftlichen Wandels zu prophezeien und das, was so manchem als die neue Unfreiheit erscheint, als Freiheit anzupreisen. Weniger vernetzen Menschen mag das befremdlich erschienen. Aber seinen Prognosen zufolge wird uns wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als abzuwarten, zu staunen und uns daran zu gewöhnen.

Der Widerstand gegen S21 im Netz

Juli 11, 2011

Was noch bis vor Kurzem nur über Flugzettel und Protestschilder lief hat einen weiteren Kanal hinzugewonnen. Die Demonstrationen im Zuge des Widerstands gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 sorgen nun schon seit einiger Zeit für Aufsehen, auch weit über die Grenzen Stuttgarts hinaus. Die sozialen Medien haben bei der Mobilisierung und Vernetzung des Widerstandes eine neue Bedeutung gewonnen.

Auch auf der diesjährigen Republika war der Widerstand gegen Stuttgart 21 Thema. Vier Aktivisten sprachen dabei über das Projekt, soziale Medien und Demokratie. Das Gespräch wurde moderiert von Alvar Freude, der sich selbst als „neutralen Beobachter“ beschreibt. Er ist einer der Gründer des Arbeitskreises gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) und Mitglied der Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages.

Im Gespräch waren Max Kirste. Er ist seit Anfang 2010 aktiv im Widerstand gegen Stuttgart 21 tätig, trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „I survived Stuttgart 21“ und bloggt auf todomax.de.

Neben ihm dabei war Thorsten Puttenat, er ist Mitbegründer von fluegel.tv und macht dort Internet-TV von Bürgern für Bürger. Flügel TV gibt es seit Ende Juli und dort wurden sämtliche Ereignisse und Veranstaltungen zum Thema live übertragen.

Außerdem Holger Reuß. Er bloggt auf fakeblog.de, ist parteiloser Politik-Interessierter und selbsternannter „Online-Medienschaffender in Vollzeit“. Seit 2007 beschäftigt er sich mit dem Thema rund um S21 und war unter anderem beim Abriss des Nordflügels aktiv dabei.

Und Andreas Bühler, Blogger und Mitbegründer der Facebook-Gruppe „KEIN Stuttgart 21“, die mittlerweile mehr als 100.000 Mitglieder zählt. Er engagiert sich gegen Stuttgart 21 seit einer Unterschriftensammlung für einen Bürgerentscheid 2007. Damit markiert er, wie viele andere, die Verbindung von Offline- und Online-Widerstand.

Was viele nicht wissen: Der Widerstand gegen das Projekt Stuttgart 21 ist schon relativ alt. Seit Mitte der 90er Jahre existiert er, war zunächst aber für kaum einen präsent. Mit dem Startschuss zum Umbau im November 2009 ging der Widerstand dann richtig los und wurde auch von den Medien thematisiert. Durch den 30.09., der für seinen Polizeiaufmarsch mit Wasserwerfern bekannt ist, wurde das Thema Stuttgart 21 schließlich über die Grenzen Stuttgarts hinausgetragen.

Das Besondere an dem Protest gegen Stuttgart 21 ist, dass die neuen Medien, insbesondere die sozialen Netzwerke und Blogs dabei von entscheidender Bedeutung waren und weiterhin sind. So ist der gesamte Stuttgart 21 Protest wahrscheinlich einer der bisher bestdokumenteierten Proteste. „Jeder hat sein Videohandy und hält drauf. Das bringt der Zeitgeist mit sich“, erklärt Thorsten Puttenat. Einmal im Netz angekommen, verbreitet sich so ein Film dann rasend schnell. Die sozialen Medien leisten da etwas, was die üblichen Medienorgane nicht können. Die Öffentlichkeit mobilisieren und demokratisieren. Die sozialen Medien schaffen eine Gegenöffentlichkeit. So kann für einen fairen und unverfälschten Informationsfluss gesorgt und das Vertrauen des Bürgers gewonnen werden. Eine wichtige Basis.

Mehrere wichtige Plattformen haben bei den Protesten gegen Stuttgart 21 eine wichtige Rolle gespielt. Unter anderem Folgende:

Parkschützer

Die Webseite parkschuetzer.de wird von „Leben in Stuttgart e.V.“ betrieben und von einem Redaktionsteam betreut. Auf den Montagsdemos, die zunächst mit 100- 200 Demonstranten stattfanden, wurde für parkschuetzer.de geworben. Bei der Seite handelt es sich um eine Art virtuelle Unterschriften-Liste, die Abstufungen zulässt. Stufe 1 bedeutet, dass man allgemein gegen das Projekt ist. Stufe 2 meint, dass man sich dazu bereit erklärt, in den Schlossgarten zu kommen und bei einer Demo mitzumachen, wenn 10.000 Leute zusammenkommen. Wer sich für Stufe 3 einträgt, möchte informiert werden, wenn die Baumaschinen anrücken, um dann in den Park zu gehen und mit allen legalen Mitteln dagegen zu demonstrieren. Und diejenigen, die die Stufe 4 angeben, erklären sich dazu bereit, sich auch an Bäume zu ketten und den Baumaschinen in den Weg zu stehen. Mithilfe eines Alarmsystems konnte man sich auf seinem Handy informieren lassen, sobald Unterstützung gebraucht wurde. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Website immer größer. Zunehmend wurde die Seite zur Diskussionsplattform für Interessierte.

Bei Abriss Aufstand

Ein Blog zum Thema trägt den Titel bei-abriss-aufstand.de. Dieser sollte zunächst als Präsentationsplattform für die Mahnwache dienen, entwickelte sich dann aber zu einer Informationsplattform und wurde durch die Kommentarfunktion zunehmend zur Diskussionsplattform. Nach dem 30. September musste diese jedoch eingeschränkt werden, da sie unter dem großen Andrang zusammenbrach und für die Gründer unkontrollierbar wurde. Mittlerweile sind nur noch moderierte Kommentare erlaubt.

Facebook-Gruppe „Kein Stuttgart 21“

Die Facebook-Gruppe „KEIN Stuttgart 21“ sollte zunächst eine Art Terminkalender für Demos und Veranstaltungen sein und hatte zunächst eine Anhängerschaft von 100-200 Leuten. Mittlerweile liegt die Zahl bei über 100.000 Mitgliedern und wächst weiterhin an.

Fluegel.tv

Der Internetsender fluegel.tv soll für mehr direkte Demokratie und Transparenz sorgen und die Gesellschaft 2.0 unterstützen.

An der Schlichtung war zu spüren, dass die Bürger, nicht zuletzt dank der neuen Medien, durchaus mitreden können, wenn sie wollen. Fluegel.tv sollte, neben dem SWR und Phoenix, die Schlichtung mit Heiner Geissler live übertragen. Wenn es auch nicht unbedingt nötig war, so doch zumindest als symbolischen Akt. Spontan wurde den Initiatoren von Fluegel.tv dann jedoch mitgeteilt, dass sie nun doch nicht dabei sein sollten, was sich sofort auf der Webseite der Parkschützer herumsprach und es innerhalb von wenigen Stunden auf 560 empörte Kommentare brachte. Dies hatte zur Folge, dass fluegel.tv am nächsten Tag wie selbstverständlich zur Live-Übertragung zugelassen wurde.

Cam S21 ist eine Webseite, auf der die Beteiligten mit dem Handy gefilmte Szenen online stellen können und diese im Netz live mit angeschaut werden können.

Verschiedenste Leute beteiligten sich an den Protesten. Alte und Junge, Offliner und Onliner. „Hier steht eine Stadt auf. Es gibt auch Befürworter. Onliner und Offliner, alles kommt zusammen und eine Bürgerbewegung entsteht“, schwärmt Thorsten Puttenat. Jeder kann etwas bewegen. Auf der Basis von Vertrauen, Beziehung und Transparenz kann sich eine lebendige, aktive Bürgergesellschaft 2.0 entwickeln.

Dass die Gegenöffentlichkeit die normalen Medien nicht ersetzen kann, darin sind sich alle einig. Das Demokratielabor Stuttgart könnte den Weg ebnen von einer Protestbewegung zu einer Gestaltungsbewegung. Für eine Gesellschaft, in der die Bürger nicht dagegen, sondern dafür sind.

Bloggen gegen Vorurteile

Juni 27, 2011

Ich möchte eine junge Frau vorstellen. Was an ihr als erstes auffällt, ist ihr Kopftuch. Und so ein Kopftuch ist mindestens genauso wirksam, wie ein Stempel auf der Stirn. Verschleiert, verschlossen und von ihrem dominanten Ehemann unterdrückt, ein Opfer der islamischen Kultur. Mit derartigen Vorurteilen wird die Deutsch-Türkin Kübra Gümüsay, geb. Yücel seit ihrem 14ten Lebensjahr konfrontiert, seit dem Zeitpunkt, zu dem sie sich selbst aus freien Stücken für das Kopftuch, aber keineswegs gegen ein modernes, weltoffenes Leben entschieden hat. Ihr Blog „Ein Fremdwörterbuch“ hat sie gegründet, um aufzuräumen mit Vorurteilen und Klischees und um Brücken zu bauen zwischen den verschiedenen Kulturen in der Wirklichkeit, aber auch im Netz.

Auf ihrem Blog schreibt Kübra Gümüsay „über Politik, Gesellschaft, Islam und Medien. außerdem über London, Uni, Filme, Kunst, Musik und Kultur“. Sich selbst beschreibt die 22-Jährige als „praktizierende Muslimin und von Beruf passionierte Fremdwoerterbuchautorin mit leichter Lakritzsucht“. Sie studiert Politikwissenschaft in Hamburg, war vor kurzem ein Jahr lang in London an der School of Oriental and African Studies (SOAS) und lebt nun mit ihrem Mann für ein paar Monate in Kairo, bevor sie dann gemeinsam nach Oxford ziehen werden.

Trotz dieses modernen und fortschrittlichen Lebensstils bekennt sich Kübra Gümüsay als gläubige Muslimin. Sie betet fünfmal am Tag und trägt aus Überzeugung Kopftuch. Dass sie dadurch von anderen Menschen anders behandelt wird und Situationen anders erlebt, als Frauen ohne Kopftuch bestreitet sie nicht. Da ich ihrem Umfeld die Frauen das Kopftuch aber stets selbstbewusst und selbstbestimmt getragen haben, hat sich für Kübra Gümüsay die Frage, ob sich muslimischer Glaube mit einem modernen, natürlichen Leben vereinbaren lässt, nie gestellt. Neben ihrem Studium arbeitet sie als Referentin und freie Journalistin. Zwei Jahre lang war sie Chefredakteurin des Jugendmagazins Freihafen und seit April 2010 schreibt sie jeden zweiten Mittwoch die Kolumne „Das Tuch“ in der taz.

Für viele ist Kübra Gümüsay damit ein Beispiel für gelungene Integration von Türken in Deutschland.

Auf der Republika 2011, der größten Bloggerkonferenz Europas, war sie als Rednerin und beschäftigte sie sich speziell mit der Pluralität der deutschen Blogosphäre. Mit Blogosphäre ist die Gesamtheit aller Blogs und ihrer Verbindungen untereinander gemeint. Die Vielseitigkeit der Blogosphrären ist größer, als so mancher annehmen dürfte und dies macht es nahezu unmöglich, von der Blogosphäre zu sprechen. Tatsächlich sind es viele kleine oder auch große Universen, in denen die verschiedensten Menschen über die unterschiedlichsten Themen bloggen. Was Kübra Gümüsay daran besonders interessiert, ist die Frage, wie es zu Begegnungen und einem Informations- und Interessenaustausch zwischen den verschiedenen Blogosphären kommen kann.

Was sie zum Bloggen motiviert? Sie möchte mit ihrem Blog einen Einblick in das Leben eines muslimischen Mädchens in Deutschland gewähren. „Wir haben viele viele Parallelgesellschaften hier in Deutschland und das ist ein Thema, das mich sehr bewegt und ein Thema, das ich auch hier in der virtuellen Welt ansprechen möchte.“ Ihr Ziel: Missstände benennen und mit Vorurteilen aufräumen. Dazu erscheint es für sie nötig, Austausch zwischen den verschiedenen Gesellschaften, sowohl im wirklichen Leben, als auch in der virtuellen Welt der Blogosphären zu fördern. „Wir leben oft nebeneinander her“, bedauert Kübra Gümüsay. „Die sozialen Medien geben uns die Chance, unsere Identität auszudrücken und miteinander zu teilen. Der Einzelne sieht, dass er mit seinen Erfahrungen nicht allein ist. Und wird zur Stimme.“ Jetzt ist Ein Fremdwörterbuch für den Grimme Online Award 2011 nominiert.

Anfangs war das Feedback ihrem Blog und ihren Kolumnen gegenüber eher negativ. Um die teilweise beleidigenden Kommentare von Rechtsradikalen zu verhindern, hat Kübra Gümüsay die Kommentarfunktion ihres Blogs eingeschränkt, andernfalls käme sie mit dem Löschen nicht hinterher, meint sie. Vom Bloggen abhalten lässt sie sich durch sowas jedoch nicht, im Gegenteil. „Dass sich viele Menschen darüber aufregen, heißt doch nur, dass wir über wichtige Themen schreiben!“

Mittlerweile bekommt sie aber gerade von Seiten der muslimischen Gesellschaft vermehrt positive Rückmeldung, was Kübra Gümüsay stolz macht. Sie ist sich bewusst, dass sie als Autorin eine Vorbildfunktion für viele junge Musliminnen einnimmt. Sie möchte „nicht bemitleidet werden oder gar in die ach so beliebte Opferrolle. Ich schreibe dies, weil ich das Gegenteil will: als freies, selbstständiges und mündiges Individuum wahrgenommen werden. Doch genau das wird kopftuchtragenden Musliminnen verwehrt.“ Das Internet bringt da neue Freiheiten.

Dass sie als „Nischenbloggerin“ bezeichnet wird kommentiert Kübra Gümüsay mit ihrem ironischen Lächeln. „Es wäre schön, wenn es hier mehr muslimische Blogger gäbe“, bedauert sie, aber sie hat die Hoffnung, durch ihren Blog anderen Muslimen, aber auch allen anderen Menschen zu zeigen, was sie für Möglichkeiten haben und den Ein oder Anderen zu ermutigen, diese zu nutzen, so wie sie es tut.

 

Mädchen. Mode. Macht. Heute werden Trends im Netz gesetzt –und zwar durch Modeblogs.

Juni 6, 2011

Sie sind relativ jung, tragen meist auffällige Kleidung, haben ihre Spiegelreflex-Kamera stets zur Hand, sitzen bei Modeschauen in der ersten Reihe und sind die Orientierungsgrößen schlechthin: Die Modeblogger, beziehungsweise vorwiegend: Die Modebloggerinnen. Auf ihren Blogs berichten sie über Mode und Lifestyle und haben mittlerweile die Macht, Trends zu setzen. Dieses Potential haben nun auch Designer erkannt und versuchen die einflussreichen Trendsetter aus dem Netz zu ihren Gunsten zu instrumentalisieren.

Es geht um das Gefühl

Modeblogger haben ihre ganz eigene Perspektive und heben sich damit vom üblichen Modejournalismus ab. Sie sind immer auf der Suche nach Neuem, sie beschreiben, kritisieren, testen, bewerben Kleidung, Schmuck, Schuhe, Uhren, Taschen und vieles mehr. Redakteure großer Modezeitschriften sehen die Konkurrenten Modeblogs meist kritisch und beklagen sich über fehlende Professionalität und Tiefe. Der neue Beruf des Fashion-Bloggers ist nicht etabliert, nicht geschützt, nicht anerkannt. Aber es gibt mittlerweile Tausende Fashion-Blogger in aller Welt und mit ihnen verändert sich die Modewelt. Sie sind schneller, was die Publikation angeht, freier in der Bewertung und näher an den Lesern dran. Es geht mehr um das Gefühl und den Moment, als um die Quote und mehr um fragmentale Anregungen und spontane Ideen, als um gut recherchierte Texte.

Modeblogs für jeden Geschmack

Als „Mutter der deutschen Blogs“ gilt Mary Scherpe, die auf Stil in Berlin außergewöhnliche Menschen aus Berlin porträtiert und den Fokus auf die Straßenmode legt, ganz im Stil von dem Fotografen August Sander, der einst eine Reihe von Porträts unter dem Motto „Menschen des 20.Jahrhunderts“ veröffentlichte oder auch Bill Cunningham, der Mann, der seit mehr als dreißig Jahren Bilder vom Straßenstil für die „New York Times“ einfängt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch jene Blogs, die den Blogger oder die Bloggerin selbst und ihren eigenen Stil in den Vordergrund stellen und eigene Erfahrungen und Insidertipps weitergeben, wie beispielsweise der deutsche Blog LesMads . Die Website wurde mit dem Lead Award 2010 (Gold) als „Weblog des Jahres“ ausgezeichnet. Die Gründerinnen Julia Knolle und Jessica Weiß kooperieren mit Verlagen und Versandhäusern. Ihr Blog gilt als „Beiboot“ des Burda-Verlags und LesMads als Deutschlands größter Modeblog. Diese Kopplung an einen Verlag wird verbreiteter, gilt aber nicht für alle Modeblogs.

Eine sehr junge, aber weitbekannte Bloggerinnen ist Tavi Gevinson. Die 13-Jährige präsentiert in ihrem Blog Style Rookie  sich selbst, ihre Kleidung und ihre Gedanken und liefert durchaus Potential, ihren Stil als solchen zu bezweifeln, nichtsdestotrotz feiern ihre vier Millionen Leser sie bereits jetzt als Stil-Ikone.

Einige andere gut besuchte Modeblogs sind Fashiondogy, Fashionista, Café Mode, Modepilot, Facehunter, Models of Duty, Sartorialist, Fashion as a 2nd language und noch zahlreiche andere.

Eine machtvolle Inspiration

Das Phänomen Modeblog ist hat sich etabliert und ein Ende ist nicht in Sicht. Es ist eine Kette der Inspiration, die durch Modeblogs ausgelöst und aufrecht erhalten wird. Die Modeblogger lassen sich von den Menschen auf der Straße inspirieren und berichten darüber in ihren Blogs und die Menschen auf der Straße lassen von den Bloginhalten inspirieren und kleiden sich danach.

Designer wie Dolce & Gabbana haben längst bemerkt, wie einflussreich Modeblogger mittlerweile tatsächlich sind. Statt Journalisten und Einkäufern, die einst die wichtigsten Besucher von Modeschauen waren, sind es heute die Mode-Blogger, die in den ersten Reihen sitzen dürfen. Von dort aus können sie die besten Fotos schießen und diese anschließend auf ihre Blogs stellen und damit der breiten Masse vorzuführen. Und von der breiten Masse zu sprechen, ist tatsächlich nicht übertrieben, beispielsweise LesMads, bringt es im Monat immerhin auf ca. 900.000 Seitenaufrufe. Auch mit Geschenken sind die Designer meist recht spendierfreudig und statten Bloggern vielbesuchter Blogs gerne mit ihren neusten Schöpfungen aus. Dass die Blogger sich darüber freuen und diese Gesten entsprechend auf ihren Blogs würdigen, erscheint nachvollziehbar. Das Zusammenspiel von Marken und Bloggern funktioniert. Billiger ist Marketing jedenfalls nicht zu haben.

Warum funktionieren Modeblogs?

Aber warum funktionieren Modeblogs überhaupt so gut? Mode ist ähnlich wie das Wetter. Sie ist einfach da und betrifft nahezu alle Menschen. Sie variiert ständig, bewegt sich aber immer in einem bestimmten Rahmen und greift dabei immer wieder auf Bekanntes zurück. Alles was im Trend liegt, ist schon einmal im Trend gewesen. Und kaum einer kann sich der Mode völlig entziehen. Sie ist unvermeidbar und hat immer mit Menschen zu tun und bekanntlich ist für Menschen nichts interessanter als Menschen.

Außerdem sind Modeblogger keine Profis. Und das ist ihre Stärke, zumindest wenn es darum geht, Sympathien und damit Anhänger zu gewinnen. Und diese sind es, die die Existenz von Blogs erst möglich machen und durch ihre Lesen und Reagieren auf die Blogs die dahinterstehenden Autoren zu Vorbildern, oder sogar zu Stil-Ikonen machen.

Die Begegnung findet auf Augenhöhe statt. Sie schreiben umgangssprachlich, persönlich, ja sogar vertraut zu dem nach Mode- und Lifestyle-Tipps hechelnden Volk da draußen, zu dir und mir, und fungieren dabei als große Schwester oder beste Freundin, mit Orientierungshilfen, Ratschlägen und Tipps um sich durch den Alltag zu hangeln.

„21th Century Minimalism“: Zwischen materiellem Verzicht und digitalem Reichtum

Mai 23, 2011

Dass man im Internet einkaufen gehen kann, wie in einem globalen Einkaufszentrum, ist bekannt. Ob Neues von Online-Shops sämtlicher Marken, oder Gebrauchtes von Privatleuten über virtuelle Flohmärkte und Auktionen wie ebay. Alles relativ unkompliziert und schnell. Eine Bereicherung für den Besitztümer anhäufenden Konsumenten, nicht aber für die sogenannten Tech-Nomaden. Diese sehen Habseligkeiten als Einschränkung ihrer Freiheit und bilden damit quasi die Gegenbewegung zum aktuellen Konsumrausch. „Cult of less“ nennt sich der Trend zum Verzicht und folgt dem Motto: „Verzichte und blogge darüber“.

Einer der Vorreiter des Verzicht-Kults ist der 23-jährige amerikanische Programmierer Kelly Sutton, der sich 2010 von so gut wie all seinen Habseligkeiten getrennt hat. Er verkaufte sie über seinen Blog „Cult of less“ und entschied sich damit ganz bewusst für diesen nahezu eigentumsfreien Lebensstil. Heute besitzt er nur noch das für ihn Nötigste: ein paar Klamotten, einen Laptop, einen Kindle und ein Ipad inklusive Zubehör.  Er gehört zu den „21th Century minimalists“.

Eine digitale Form des Minimalismus

Diese aktuelle Form des Minimalismus unterscheidet sich von herkömmlichem Minimalismus durch den digitalen Aspekt. Neuste Technologien haben so manches geändert. So braucht man dank MP3s theoretisch weder Platten oder Kassetten, noch CDs, geschweige denn entsprechende Abspielgeräte. Dank E-Books sind auch Bücher beziehungsweise Bücherregale nicht mehr von absoluter Notwendigkeit, wenn man Lust auf Lektüre hat. Auch Fotoalben stauben in digitaler Form viel weniger ein und wer braucht schon noch Notizenbücher oder Kalender, wenn es jeweils platz-sparende digitale Varianten gibt? Die sogenannten Tech-Nomaden jedenfalls nicht. Sie verzichten sogar auf einen festen Wohnsitz, reisen bevorzugt umher und arbeiten von unterwegs. Der Minimalismus trifft also nur auf der materiellen Ebene zu. Was die „21th Century minimalists“ da einsparen, verlagert sich in die digitale Welt.

Tipps zum Leben mit 100 oder weniger Dingen

Aber Kelly Sutton ist lange nicht der Einzige. Es finden sich nach und nach weltweit immer mehr Leute mit derselben Gesinnung und entsprechenden Blogs. Zum Beispiel der Blogger Tucker Cummings, der Interessierten auf seinem Blog Tipps gibt, um ein Leben mit 100 oder weniger Dingen zu realisieren:

1. Mach eine Bestandsaufnahme aller Dinge, die du besitzt.

2. Behalte nur multifunktionale Geräte.

3. Lebe nicht zu spartanisch.

4. Dinge, die man die letzten 12 Monate nicht gebraucht hat, können weg.

5. Miste nach drei Monaten erneut aus.

6. Überprüfe, was du für deine Arbeit tatsächlich brauchst, und was nicht.

Aber wozu das Ganze? Ziel des „Cult of less“ist es, Stress zu reduzieren, den Fokus auf Entscheidendes zu legen und möglichst mobil zu sein. Auch Konsumkritik spielt gelegentlich eine Rolle. Anhänger des Verzichtkultes empfinden es als Stress, Dinge zu besitzen und dadurch gebunden zu sein und versprechen sich von ihrer Art zu leben Freiheit und glücklich zu sein. Die Bloggerin des Blogs “Minimal Student” beschreibt das so: “what really makes me happy is freedom. And the key to freedom is minimalism because minimalism reduces our attachment to things.”

Mut, sich von Materiellem zu verabschieden

Dass dieser Lebensstil nichts für Jedermann ist, liegt auf der Hand. Nicht jeder kann auf Dauer ohne persönliche Dinge und Andenken leben, nicht jeder fühlt sich in sterilen Räumen ohne individuelle Einrichtung zu Hause und nicht jeder hat eine Arbeit, die ihm das nötige Maß an Flexibilität ermöglicht. Auch für Familien mit Kindern dürfte jener Trend weniger infrage kommen. Geeigneter scheint ein solches Leben schon eher für unabhängige Einzelpersonen.

In jedem Fall gehört eine Portion Mut dazu, sich von Dingen zu trennen, die sich nicht selten über das ganze Leben hinweg angesammelt haben. Oftmals verbinden einen ja auch Erinnerungen und Gefühle mit gewissen Gegenständen. Und auch die Unsicherheit, ob man es einmal bereuen wird, dass man diesen oder jenen Gegenstand nicht aufbewahrt hat, oder ihn vielleicht sogar einmal wieder gebrauchen kann, muss man überwinden, um zum digitalen Vagabunden werden zu können. In gewisser Weise nachvollziehbar scheint es aber doch, dass es gut tun kann, so manchen alten materiellen Ballast loszuwerden und danach einen weniger vollen Speicher zu haben.

Einen nicht ganz so radikalen und damit leichter umsetzbareren Weg, sich von unnützem Krempel zu trennen, verfolgt die Berner Bloggerin Karin Friedli. Ihr Plan lautet, sich ein Jahr lang von einem Gegenstand ihres Hab und Guts zu verabschieden und das Ganze auf ihrem Blog zu dokumentieren. Das kann auch dabei helfen, ein Bewusstsein für den eigenen Konsum zu entwickeln und erst gar nicht in Versuchung zu kommen, unnützes Zeug anzuschaffen, das ohnehin nie einem anderen Zweck, als dem Einstauben dienen wird. Eine Überlegung dürfte es jedenfalls wert sein, seinen ebay-Account nicht immer nur zum erwerben, sondern auch mal zum loswerden des angehäuften Krempels zu nutzen.

Freundschaft in Zeiten von Facebook

Mai 16, 2011

Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist. Das Konzept an sich ist alt. Facebook setzt nur noch eins drauf und verleiht dem Ganzen eine neue Dimension.

In der Grundschule fing es mit den Freunde-Büchern an. Alle Freunde konnten sich darin steckbriefartig verewigen. Je mehr Freunde man in sein Buch stehen hatte, desto beliebter, begehrter und selbstbewusster war man. Freunde wie Trophäen zu sammeln ist also nichts Neues, aber nach wie vor voll in Mode. Facebook ist das Freunde-Buch von heute. Vom Prinzip genau das Gleiche, aber digitalisiert und die Dimensionen von damals sprengend.

Alle sind „Freunde“

Eine typische Facebook-Freunde-Liste umfasst in der Regel Freunde im dreistelligen Bereich und ist ein heterogener Mix aus allen möglichen verschiedenen Menschen, die einem irgendwie und irgendwo im Laufe des Lebens einmal begegnet sind. In Zeiten von Facebook, studiVZ & Co. sind alle Menschen „Freunde“. Die Arbeitskollegen, die Nachbarn, der Mitschüler aus der Theater-AG aus der dritten Klasse und die Facebook-Freunde von Facebook-Freunden. Sie alle hätte man ohne Soziale Netzwerke im Internet vielleicht allenfalls als flüchtige oder alte Bekannte bezeichnet. Heute ist da mehr. Bleibt die Frage, ob die Beziehungen durch soziale Netzwerke tatsächlich enger und besser geworden sind, sodass sie als Freundschaften bezeichnet werden können, oder ob der Freundschaftsbegriff schlichtweg an Qualität verloren hat?!

Sicher ist: Facebook bietet die Möglichkeit, pausenlos Informationen von sich preiszugeben, ob es die anderen nun wissen wollen, oder nicht, was unter anderem Debatten über den Aspekt der Privatsphäre ausgelöst hat. Damit sind die Facebook-Freunde für jeden Einzelnen immer auch eine Art Publikum und damit ideal für Zwecke der Selbstdarstellung geeignet. Sie führen sich gegenseitig Statusmeldungen, Fotos oder Videos vor und warten auf ein Echo. „Urlaub!“ Allein das als Statusmeldung reicht meist schon für eine Reihe von Kommentaren aus, wie: „Ohh, du Glückliche!“, „Hab viel Spaß!“, und „Wohin geht’s denn?“ Genauso bei Problemen. Sollte man solche posten, kann man sicher sein, von guten Ratschlägen überhäuft zu werden. Wirkliche Gespräche werden überflüssig, wenn man alle Neuigkeiten immer gleich auf seiner Pinnwand postet und damit jeglichen Gesprächsstoff verpulvert.

Facebook definiert „Freundschaft“ neu

Aber wie viele Facebook-Freundschaften kann ein Mensch überhaupt pflegen? Kann ein Einzelner wirklich mit 200 Leuten befreundet sein? Auf Facebook geht das jedenfalls. Offensichtlich definiert Facebook den Begriff „Freundschaft“ neu. Um auf Facebook als Freund bezeichnet zu werden, wird nicht vorausgesetzt, dass man sich wirklich gut kennt oder sich gar schon einmal im wahren Leben begegnet ist. Das Geflecht aus Freunden scheint eher oberflächlicher Natur zu sein. Das Prinzip lautet also eher viele verschiedene lockere Beziehungen, als ein paar wenige feste. Unverbindlichkeit ist die Eigenschaft von Social Networks. Es ist deutlich leichter, Kontakte einzugehen, aber auch abzulehnen oder Verantwortung zu übernehmen. Und ob man auf Nachrichten und ähnliches reagiert oder nicht, bleibt einem selbst überlassen. Das hat sicher auch seine Vorteile. Trotzdem geht der einst wertvollen Beziehung namens Freundschaft damit etwas verloren. Im Gefüge der Beziehungen hat sich scheinbar etwas verschoben. Vielleicht ist es Facebook selbst, das uns unter so vielen oberflächlichen Freundschaften den besten Freund ersetzt. Immerhin kann man dort Spiele spielen, Fragen zum eigenen Charakter beantwortet kriegen und Ratschläge bekommen, wie man sich am besten verhalten soll, oder was man jetzt am besten gebrauchen könnte. Fast wie bei einem realen besten Freund könnte man meinen.

Facebook als Ergänzung

Aber Facebook kann auch anders. Es soll ja auch noch Freundschaften geben, die das Internet nicht zwingend brauchen, sondern auch oder hauptsächlich draußen, in der Facebook-freien Zone stattfinden. In solchen Fällen ist Facebook eine Ergänzung, eine praktische Gelegenheit, um in Kontakt zu bleiben, auch wenn man sich einmal nicht persönlich treffen kann. Oder die Netzwerkkommunikation wird genutzt, um sich auch mit mehreren Leuten für ein reales Treffen zu verabreden. Hier gilt der althergebrachte Freundschaftsbegriff weiterhin, nur angepasst an ein neues Zeitalter. Wer wissen möchte zu welchem Typ Facebook-Nutzer er gehört, kann dies in der Galerie der Facebook-Typen
herausfinden.

In einer Zeit, in der es noch kein Internet gab sagte der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky: „Freundschaft, das ist wie Heimat.“ Trotzdem scheint der Spruch noch heute Gültigkeit zu haben. Denn wenn die Heimat der Generation der „Digital Natives“ das Internet ist, dann scheint es gar nicht mehr so abwegig, dass auch ihre Freundschaften im Internet stattfinden.

„Digital Natives“ vs. „Digitale Immigranten“

Mai 11, 2011

Sie sind jung, mitteilungsbedürftig, zuhause in der Welt des Internet und die Zukunft der Menschheit. Die „Digital Natives“.

Ihnen gegenüber: die „Digitalen Immigranten“. Diese sind alt, oder zumindest älter, aufgewachsen in der „Papierwelt“ und voller Kritik und Furcht gegenüber dem allumspannenden Netz.

Als würden manche mit altersübergreifender Kommunikation nicht schon genug Probleme haben, haut nun auch das Internet noch einen drauf. Das Internet spaltet die Gesellschaft, genauer: die Generationen.

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!“ Neuem steht das Gewohnheitstier Mensch generell kritisch gegenüber. Für die heutigen Jugendlichen sind Internet & Co. aber nicht neu. Sie sind, ganz im Gegensatz zur Generation ihrer Eltern und Großeltern, damit aufgewachsen. Für sie ist das Internet eine Art Parallel-Welt, die Möglichkeiten bietet, die Außenstehenden, nicht ganz zu Unrecht, Respekt einflößen. World Wide Web – ein weltweites Netz also. Texte, Fotos, Videos und vieles mehr können in Sekundenschnelle mehr oder weniger unkontrolliert die ganze Welt erreichen. Und dort bleiben.

Dass das nicht unbedingt immer gut ist, haben die meisten schon einmal durch die Medien mitbekommen. Jugendliche, die mit veröffentlichten Privatvideos im Internet bloßgestellt wurden und sich anschließend das Leben nahmen oder anonym verkehrende Pädophile, die über das Internet Kontakt zu ihren nächsten Opfern aufnehmen.

Solche Fälle gibt es wohl, aber manche aus der älteren Generation scheinen dies zu sehr als Internet-Alltag zu verstehen, als es vielleicht der Fall ist und den Mythen rund ums Internet mehr Glauben zu schenken, als diese verdienen. Es scheint also unter anderem die Unkenntnis zu sein, die zur Spaltung der Generationen beiträgt.

Hier geht’s zur Website „Surfen ohne Risiko“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die auf Risiken im Internet hinweist.

Was wollen Jugendliche denn dauernd im Internet? Ein Schwerpunkt scheint auf der Kommunikation zu liegen, wobei die Absicht nicht unbedingt darauf gerichtet ist, neue Leute kennenzulernen, sondern vorwiegend um Kontakte, die sowieso schon bestehen, online, auf einer zusätzlichen Kommunikationsebene zu pflegen. Dazu ist so gut wie jeder der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Mitglied sozialer Netzwerke und dort täglich aktiv. Ansonsten dient das Internet auch vielen jungen Menschen bei der Informationssuche oder zur Unterhaltung.

Sprachliche Barrieren sind nicht nur für Menschen aus verschiedenen Ländern ein Problem. Trotz identischer Amtssprache, kann es besonders in Zeiten des Internets und der Globalisierung auch innerhalb eines Landes zu Kommunikationsschwierigkeiten kommen. Was mit dem Internet zu tun hat, hat Namen wie „Community“, „Weblog“, „Social Network“ oder eben „Digital Natives“. Nicht jeder verfügt über solche Wörter in seinem „word pool“.

Zweifellos ist mit dem Internet eine zweite Welt, oder zumindest eine zweite Dimension der Welt hinzugekommen, deren Bevölkerung, zumindest bisher, zu einem großen Teil aus den digitalen Ureinwohnern besteht.

Aktuelle Fakten über das Medien- und Freizeitverhalten von Jugendlichen in der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS) 2010.

Ein Test

Mai 8, 2011

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Hello world!

April 26, 2011

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